Am vergangenen Freitag trafen sich die Freien Wähler des Reblands zum allgemeinen kommunalpolitischen Austausch. Neben der Abstimmung der Vorbereitungen anlässlich der anstehenden Kommunalwahl am 26. März 2019 wurde insbesondere das aktuell brennende Thema „Schaffung von Wohnraum“ offen diskutiert. In diesem Zusammenhang äußerte sich auch Oliver Schulmeister, Betriebswirt mit den Schwerpunkten Immobilienwirtschaft, Projektmanagement und Immobilienbewertung mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung und in Baden-Baden selbstständig tätig. Seiner Meinung nach haben sämtliche Parteien und politische Vereinigungen den Wohnungsbau auf ihrer Agenda, niemand liefert jedoch konkrete Lösungsansätze. Aus seiner Sicht liegt dies im Wesentlichen an der Komplexität der Thematik.

Das Baulandentwicklungsprogramm der Stadt Baden-Baden zur schnelleren Umsetzung von zusammenhängenden Baugebieten ist auch für das Rebland ein richtiges und wichtiges Instrument. Dabei hilft die transparente Bewertung der Grundstückspreise und der notwendigen Erschließungskosten. Wichtig dabei ist, so Schulmeister, dass diese Baulandentwicklungen gerecht über das Stadtgebiet verteilt stattfinden.

Im Bereich des Geschosswohnungsbaus ist es unerlässlich, im Innenbereich potentielle Baulücken sinnvoll und stadtbildverträglich zu schließen. Entsprechende Übersichten über entwicklungsfähige Baulücken liegen der Verwaltung vor.

Überalterte Bebauungspläne sind kritisch auf die aktuellen Anforderungen des Marktes zu überprüfen. Konkret bedeutet dies, dass die in alten Bebauungsplänen geführten kurörtlichen Nutzungsvorgaben durch die Gewährung von Wohnungsbau abgeändert werden müssen!

Bei der Entwicklung von neuen Bauflächen muss die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum im Vordergrund stehen. Dies betrifft aktuell das Eberts-Gelände in Oos. Hier kann eine gewerbliche Nutzung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Betrachtet man das Wohnumfeld der Sinzheimer Straße in diesem Bereich, so ist die Errichtung von vier- bis fünfgeschossigen Wohngebäude realisierbar. Verbunden mit der Auflage, ca. 20% der neu geschaffenen Wohnfläche dürfen einen bestimmten max. qm-Preis oder eine max. qm-Miete nicht übersteigen, werden die Investoren verpflichtet, günstigen Wohnraum zu schaffen. Dies funktioniert allerdings nur in Verbindung mit einer effektiveren, also höheren Ausnutzung der Baugrundstücke.

Die Zeitspannen für Baugenehmigungen sollten dringend verkürzt werden, indem bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Bauantragsphase eine offene und verbindliche Kommunikation zwischen Grundstückseigentümer, Investoren und Verwaltung stattfindet bzw. zugelassen wird. Der Gestaltungsbeirat sollte nach Ansicht von Oliver Schulmeister nur in seltenen und stadtbildprägend- sensiblen Lagen beratend in Aktion treten. Hilfreich wäre auch hier, wenn der Gestaltungsbeirat zu einem frühen Planungsstadium den Bauwilligen auch beratend zur Verfügung stünde. Dies würden eine enorme Zeitersparnis und eine Reduzierung der Planungskosten und damit wieder Anreize für Investitionswillige bedeuten.

Die vorgenannten Lösungsansätze sind nach Meinung von Schulmeister erste wichtige Schritte in die richtige Richtung. Ein „Masterplan“ für den Wohnungsbau kann nur gemeinsam erarbeitet werden. Dies dürfte für die Baden-Badener Strukturen kein Problem sein, da jeder die Situation erkannt hat und aktiv an der Lösung gestalten möchte.


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