Zur Kündigung der Erzieherin im katholischen Kindergarten St. Jakobus in Steinbach wegen ihres Austritts aus der katholischen Kirche hat es diverse Stellungnahmen gegeben, darunter auch eine des Baden-Badener Ortsverbands der Grünen. Darin hieß es unter anderem, dass die Stadt sich nicht länger ihrer Verantwortung entziehen dürfe und die Erziehung und Betreuung der Kinder selbst übernehmen müsse. Sabina L. war, wie berichtet, nach ihrer Heirat vor Jahren aus familiären Gründen zur evangelischen Kirche übergetreten. Das ist kurz nach ihrer Anstellung bekanntgeworden, ihr wurde daraufhin sofort gekündigt. Nun meint Stadtrat Heinz Gehri (Freie Wähler): „In einem haben die Grünen recht. So eine Kündigung ist nicht hinnehmbar. Aber hier die Stadt verantwortlich zu machen, ist auch nicht hinnehmbar.“ Es könne nicht Sache der Stadt sein, Erziehung und Betreuung der Kinder selbst zu übernehmen. „Wir haben funktionierende Einrichtungen wie Caritas, AWO oder evangelische Kindergärten, die eine hervorragende Arbeit leisten. Dass ausgerechnet die katholische Kirche so reagiert, ist unverständlich. Ob katholisch, evangelisch oder andersgläubig, es sind ausgebildete Erzieher oder Erzieherinnen, die ihre Arbeit ernst nehmen und nicht auf Konfessionen schauen“, so Gehri weiter. „Sollte die katholische Kirche bei dieser Kündigung bleiben, müsste die Stadt sich wirklich Konsequenzen überlegen.“ Woher aber die Grünen die Erkenntnis nähmen, die konservative Mehrheit im Gemeinderat habe sich immer der Verantwortung entzogen, ist Gehri schleierhaft. Nach seiner Ansicht sei dieser Vorwurf nur damit zu erklären, „dass bei ihnen der Kommunalwahlkampf begonnen hat und jedes Mittel recht, ist Stimmen zu erhaschen“. Gehris Fraktionskollegen Hans-Peter Ehinger und Rainer Lauerhaß halten fest, dass eines der höchsten Güter der Gesellschaft deren Kinder seien. „Daran dürften weder partei- noch konfessionsübergreifend Zweifel bestehen.“ Eine Erzieherin aufgrund ihrer religiösen Überzeugung oder „ihrer Abkehr von der katholischen hin zu evangelischen Glaubensrichtung“ aus dem Dienst zu entlassen, mache mehr als nur betroffen. Das sei Grund genug, um die Trägerschaft der katholischen Kirche nachhaltig infrage zu stellen. Die Freien Wähler seien „entsetzt angesichts der Überheblichkeit, die hier an den Tag gelegt wird“. Es gebe schließlich ein Antidiskriminierungsgesetz. Mit dem Blick auf derartige Reaktionen, die fernab vom Leben zu sein scheinen, frage man sich, warum sich die katholische Kirche über Rechtsnormen stellen könne, so die Freien Wähler weiter. Fraglich sei, ob eine solche Einstellung noch zeitgemäß sei, um die Verantwortung für die Kitas zu übernehmen.

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    • 25.11.2018
    Politischer Frühschoppen: Mit dem letzten „Politischen Frühschoppen“ vor dem Kommunalwahljahr 2019 wollen wir mit